Im steilen, finstern Steiniwald hinter Mosenried , bei Zweisimmen begegneten sich einmal in stockfinsterer Nacht zwei Ungeheuer (Unkühr), von denen keines dem andern ausweichen wollte. Es kam zu einer Schlägerei. Als das Stärkere das Schwächere durchgeprügelt hatte, rief es:
„Du Wust, wenn du nit usstelle tust, so musst!"
und stellte es zur Seite und fragte dann noch:
„Wie heissest du?"
„Sälbertha", tönte es zurück.
„Ja, ja, sälbertha, sälber ha, hätt mer`s öper anders ta, so müsste sie das Läbe la!" erwiderte das stärkere und beide gingen auseinander, niemand wusste wohin.

In alten Zeiten kam übers Meer von Ägypten her ein ganzes Kriegsvolk nach dem Wallis. Es waren lauter Christen. Da aber die Walliser noch Heiden waren, töteten sie die Krieger. Ein einziger Mann entrann, der hiess Longinus. Lange irrte der Alte im Gebirge umher. Dazumal versperrten noch keine Gletscher die Höhen. Droben am Wallisberg, wo heute kein Gemsejäger mehr über das Eis fürbass mag, lag eine grosse Alp von hundert Rinderweiden, welche man gemeinhin Blüemliberg nannte. Dreimal des Tages konnten dort oben die Kühe gemolken werden. Über diese Alp herab kam Longinus, hungernd, dürstend, wund an den Füssen und vom Scheitel zur Sohle zerlumpt. Die Leute des Tales aber erbarmten sich seiner, nahmen ihn freundlich auf und gaben dem Flüchtigen Raum in ihren Hütten. Als er sich ihr Vertrauen erworben, lehrte er sie den Christengott kennen. Da konnten sich nun die Hexen und Strüdlen den Mund wischen und gehen. Das Gemäuer auf dem Burgbühl,das zu den Götzenopfern gebraucht worden war, zerfiel. Als aber Longinus starb, mahnten die Leute das Tälchen, in dem sie wohnten, in dankbarer Erinnerung an ihn, „die Lengg".

Einst war der obere Rätzliberg im hintersten Simmental, aus welchem in sieben Brunnen die Simme entspringt, eine fruchtbare Alp, auf welcher Mutterne und Adelgras in Hülle und Fülle grünten. Eine reiche, aber geizige Frau unten aus dem Lande hatte den Berg gekauft. Alle Jahre brachte der Hirt, welcher droben sein Vieh sömmerte, der Lehnsfrau den Zins nebst einem Korb voll frischem Zieger und von der goldensten, fettesten Butter. Allein, nie war die Ungenügsame zufrieden. Einst brach ein furchtbares Hagelwetter über den Rätzliberg und Hunger drohte der Herde. Der Küher aber vermochte der Frau im Tale jetzt noch weniger zu bringen. Die Hartherzige aber fluchte ob seines geringen Zinses, verfluchte die Alp, die nichts Besseres hervorzubringen imstande sei. Da rückte plötzlich das Eis vom wilden Strubel auf die Alp zu. Begraben ward der herrliche Berg, verschwunden die blühende Weide. Als der Hirt im nächsten Sommer zurückkehrte, fand er nichts mehr als einen grossen Gletscher.

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