Wanderweg über den Mannenberg wieder offen

Wanderweg über den Mannenberg wieder offen

Nach Abschluss des Schutzwald Projektes und Aufräumarbeiten ist der Weg wieder geöffnet, die Burgen und die Feuerstelle wieder zugänglich. Nach dem Ausholzen präsentiert sich die Burg auf dem oberen Mannenberg prominent, mit der nach Osten verlaufenden Flügelmauer. Sie umschliesst einen grossen Hof auf den Nordostseite der Burg. Um das nun gut sichtbare Bauwerk besser zu erleben, wurde die Wegführung angepasst und unterhalb der Flügelmauer ein Ruheplatz als schöner Aussichtspunkt eingerichtet. Die Holzarbeiten erforderten einiges an Geschicklichkeit und um die erhaltene Flügelmauer nicht zu beschädigen, musste doch eine grosse gut 130-jährige Tanne unmittelbar bei der Mauer gefällt werden. Durch Freilegen der Aufschüttung unter der Oberen Burg kam Tuffstein zum Vorschein, der mit grosser Wahrscheinlichkeit von einer ausgebrochenen Fensternische stammt. Eine Adelsburg zeichnete oft damit aus, dass Fensternischen oder Fensterstürze mit Tuffstein ausgelegt wurden.


Neuer Anblick aus der Vergangenheit

Mit der Rodung erhält der Mannenberg ein anderes Gesicht, wie ihn Werner Suter auf seinen historischen Zeichnungen festhielt. Überbaut mit Verteidigungstürmen, Schutzmauern als Rigel. Ein repräsentativer Herrschaftssitz an strategischer, bedeutender Schlüsselstelle, mit Wohnhäusern, Lager und Ökonomiebauten aus Stein und Holz. Die Herrschaft diente als Logistikzentrum für die Saumwege, mit Anschluss an die Fernverbindungen im Süden über Martigny zu den Häfen in Ligurien wie z.B.  Genua und im Westen über das Pays d’Enhaut nach Vevey, bis zu den mittelalterlichen Messen und Märkten in der Champagne z.B. in Lagny, Troyes, Provins die damals «Welthandelszentren» waren. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die Zähringer als Erben des burgundischen Königsgut die Region stärker unter ihren Einfluss nahmen. Wir bewegen uns in der Zeitepoche zu Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts.

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Obere und untere Burg Mannenberg (Werner Suter, Zweisimmen)

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Mauerreste obere Burg Mannenberg (Foto: Manuel Kaiser, 10.04.2021) 

 

Kleines Turnier zu Ostern 

Zum Abschluss der Weg- und Aufräumarbeiten, gab es zu Ostern, in kleinen Kreisen ein «Eierturnier». Mit viel Geschicklichkeit musste das auf dem Turnierkrönlein der Lanze fixierte Ei vom Herausforderer getroffen werden. Wie beim «Eiertütschen» doch mit etwas mehr Distanz, es war ein Spass für alle.

210404 Ostern 1Das Co- Präsidium „Verein Burg Mannenberg“ im Turnier: Claudia und Fredy Gautschi

 

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Im Turnier schenken sich die erfahrenen Recken nichts

Die Osterbräuche im Mittelalter waren vielfältig. Im Vordergrund standen kirchliche Feierlichkeiten, doch zu Ende der Fastenzeit, wo Verzehr von Fleisch und Eiern untersagt war, freute man sich auf ein österliches Festessen.  Im Hochmittelalter kam dem Ei besondere Bedeutung zu. Während der Ostersonntagsmesse wurde die sogenannte Eierweihe vollzogen und das Ei festlich in den Kreis der alltäglichen Nahrungsmittel zurückgeholt. Eier und Eierspeisen dominierten schon damals den österlichen Speiseplan. Mitunter konnten Pachtzinse mit Eiern beglichen werden. Stand man in gutem Einvernehmen kam es schon mal zu gemeinsamen Feierlichkeiten und Spielen auf der Burg.

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Nach dem Turnier posiert die Ritterschaft mit ihren edlen Frauen

 

Damals wie heute erfreute man sich der wärmeren Tage in Erwartung des Frühlings, wo das Vieh auf die Weide getrieben und die Äcker bestellt werden konnten, in der Hoffnung auf eine gute Ernte.

Die Stiftung und der Verein Burg Mannenberg und Burgenweg dankt für die gute Zusammenarbeit aller Beteiligen beim abgeschlossen Schutzwaldprojekt.

Apropos Archäologie: Die Wanderausstellung des Archäologischen Dienstes macht in Zweisimmen halt „Archäologie macht Geschichte“ vom 24. April bis am 15 Mai 2021 auf dem Bärenparkplatz.

Für Stiftung und Verein J.P. Beuret / 22.04.2021