Geschichte

Das Beinhaus am Kirchhofrand, im Kern Spätromanisch. Am oberen Kirchhof anschliessend im Kern mittelalterliches, mehrfach umgebautes Pfarrhaus, das nach einem Brand 1940 durchgreifend erneuert wurde.

Vor der geplanten Renovation des Beinhauses unweit der Kirche von Zweisimmen wurden im Herbst 2005 archäologische Untersuchungen durchgeführt. In der Baugrube für den späteren Anbau kam ein dicht belegter Friedhofsteil mit mehreren übereinander liegenden Gräberschichten zum Vorschein. Insgesamt konnten 122 Gräber anthropologisch in situ untersucht werden. Während die Bestattungen der oberen Lagen mit dem Blick nach Norden (bzw. „Kirchen-Osten“) ausgerichtet waren zeigten jene der unteren Lagen eine davon abweichende Orientierung zum geographischen Osten. Von diesen ist anzunehmen, dass sie mindestens teilweise vor dem Bau des Beinhauses in den Boden gelangten. Die darüber liegenden Skelette datieren wohl in die Zeit zwischen dem Bau des Beinhauses von 1481 und dem 19. Jahrhundert.
Die neuzeitlichen Gräber waren streng in Reihen angeordnet. Ohne sich gegenseitig zu stören, lagen einige Bestattungen derart dicht nebeneinander, dass man annehmen muss, diese Verstorbenen seien gleichzeitig bestattet worden. Zweisimmen wurde im 16. und 17. Jh. wiederholt von der Pest und anderen Seuchen heimgesucht.

Christian Burgener (1770–1836), Amtsnotar und Gerichtsschreiber in Zweisimmen, berichtet in der um 1820 verfassten „Grossen Burgener-Chonik“ von einer Epidemie im Jahr 1611: „Das sogenannte grosse Schwinden (giftige Pestilenz) soll laut Tradition so stark grassirt haben, dass 18 Rosse mit Leichen […] einander folgten und es endlich soweit kame, dass man für die Todten keine Särge mehr anschaffen konnte […]. Es wurden zwei Kasten gemacht, den einen um 2 Leichen aufzunehmen, der andere um 4 Leichen darin zu legen.“
Neben medizinhistorisch relevanten Fragen sollen mit der detaillierten anthropologischen Untersuchung auch Fragen zu Lebensbedingungen und Krankheiten dieser Bergbevölkerung der Frühen Neuzeit beantwortet werden.

Quelle: Universität Bern | Historische Anthropologie