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Bild aus "Burgen Schlösser und Ruinen im Simmental"von Erich Liechti Wimmis

Das Schloss Reichenstein, von dem noch vor wenigen Jahren geringe Trümmer sichtbar gewesen sein sollen, lag rechts der Strasse von Zweisimmen nach Schönried, eine Stunde von Zweisimmen entfernt, auf einem Felsvorsprung am Schlündibach. Der Burgstall, ein prächtig bewaldeter, felsiger Hügel lässt noch den ansehnlichen Umfang der Anlage mutmassen.
Die Burg bildete den Herrschaftssitz eines Teils der Herrschaft Mannenberg. In der Zeit, als das Reichslehen Mannenberg den Lehensträger wechselte und vom Haus Raron an das der Strättlinger überging, also um 1300, wurde ein Bastardzweig der Raron mit Hausgut ausgestattet und von der alten Herrschaft Mannenberg mit der gleichnamigen Burg eine Herrschaft Mannenberg - Reichenstein abgespalten. Diese verfolgte in der Zukunft ihren eigenen Weg und wusste selbst bei der Besitznahme des Obersimmentals durch die Berner im Jahre 1386 ihre Selbständigkeit zu wahren. Als eigenherrlicher Splitter lag sie noch über hundert Jahre neben der Berner Kastlanei Zweisimmen. Doch mussten ihre Besitzer sich ducken und anschmiegen, wollten sie nicht der Gefahr der mächtigeren Nachbarschaft, der Berner hüben, der Grafen von Greyerz drüben, erliegen. Ein Lehensverhältnis zu den Grafen und das Burgrecht mit Bern hielten sich die Waage. Unter dem letzten Obersimmentaler Raron, Johann IV., den die Urkunden oft Henselinus nennen, scheint die Burg zuerst von ihren Herren verlassen worden zu sein. Henselinus hielt in Thun Haus und seine Kastlane mögen den abgelegenen Sitz in Reichenstein bewohnt und bewirtschaftet haben. Darin mag sich wenig geändert haben, als, nach einem leidigen Erbschaftshandel mit dem Haus Scharnachthal - Mannenberg - Reichenstein schliesslich den in Spiez residierenden Bubenberg zu fiel. Der Sohn des berühmten Adrian von Bubenberg verkaufte hernach, im Jahre I494, die Herrschaft der Stadt Bern, welche von den Greyerzer Lehensherren bereits geschenkweise die Lehensherrlichkeit darüber übertragen erhalten hatte. Adrian II. von Bubenbergs Kastlane, deren einer Peter Burkhart hiess, scheinen als letzte die Burg Reichenstein bewohnt zu haben. Unter Berns Herrschaft verfiel das Haus und wir hören nichts mehr von ihm.

QUELLE: DIE BURGEN UND SCHLOSSER DES KANTONS BERN BERNER OBERLAND 1. TEIL
VON DR RUDOLF VON FISCHER BASEL VERLAG EMIL BIRKHÄUSER & CO

 

Pestilenzstein

Quelle: Sagen aus dem Simmenthal von D. Gempeler – Schletti

Neben der Burgruine Reichenstein liegt ein Stück Land, das man das Brückstückli nennt. In diesem befindet sich ein nun beinahe eingewachsener Stein, der Pestilenzstein geheissen, der daselbst zur Erinnerung an die Pestzeit gesetzt worden und mit Namen und Jahrzahl, die nun bis auf ein Z. verschwunden sind, versehen war. Über diesen Pestilenzstein hat ein hiesiger schlichter Landwirt folgende Originalverse gedichtet:

Hinter dem Dorf Zweisimmen, da kommt der Reichenstein,

Da johlt des Sennen Stimme, so soll`s im Bergland sein,

Da in der Mitte hinten, wo`s im Brückstückli heisst,

Da ist ein Stein zu finden, der auf den Tod hinweist,

Den Schwarzen man ihn nannte, die Jahrzahl deckt das Gras,

Auch einen bekannten Namen man deutlich darauf las.

Es blieben nur zwei Leute verschont, die schrieben daran,

Vergessen sind sie heute, sie niemand nennen kann.

Gar viel den Stein einst kannten und wussten, wo er war,

Auch die Bedeutung nannten, der Sinn war ihnen klar.

Den Stein hat man gefunden, es stand ein Z. darauf,

Mehr war nicht zu ergründen, es nagt es der Zeiten Lauf.

Der Z. auf rechter Seite gab das Geschlecht uns an,

Vom Namen dieser Leute Zwahlen es heissen kann.

Ist auch die Zahl verschwunden, so wissen wir es gleich,

Das Jahr, wo Bern bezwungen die Laubegg siegesreich.

Unter dem Stein in Nähe kommt die Brechbrücke dann,

Von ihr herunter spähe, wie der Brechbach fallen kann.

Der kleine Fall oft rauschet, bei nassem Wetter mehr,

Ein Brieschen man belauschet, als sei`s vom wilden Heer.

Als sei`s das Horn vom Wächter, der Schall vom Turm herab,

Der Ruf von einem Ritter, den aus der Burg er gab.

  

Zum Weg von Zweisimmen über Rychenstein nach Saanen

Die Rochelsau oder das Dürstegjeegg 

Quelle: Sagen aus dem Simmenthal von D. Gempeler – Schletti

 

Ein Mann von Oberwil wollte nach Saanen, wo selbst ein berühmter Doktor war, um diesen in einer gewissen Angelegenheit zu konsultieren. Hans Stucki, so hiess der Mann, kehrte in Zweisimmen im „Bären" ein und versäumte sich daselbst so lange, dass er erst spät nachts die Reise fortsetzen konnte. Es mochte gegen Mitternacht gewesen sein, als Stucki in der raben schwarzen Herbstnacht dem Steiniwald zustampfte. Da, auf einmal vernahm er ein abscheuliches Tosen und Geschrei in den Lüften. Als der Lärm noch entfernt war, glaubte er eine Schar johlende und brüllende Betrunkene zu hören und nahm sich vor, denen nicht zu begegnen, sondern sich im Gesträuch zu verstecken. Je näher aber das Wüten und Tosen kam, desto mehr überzeugte er sich, dass der schreckliche Lärm in den Lüften und nicht auf der Strasse zu suchen war. Es schien ihm, sehen konnte er ja nichts, als würden sich die Tannenwipfel vor dem Windzuge und in den Stimmen in der Luft biegen, die er des sausenden, brausenden Windes wegen nur ungenau unterscheiden konnte, er glaubte das Geröchel von jungen und alten Schweinen und das Krächzen wilder, kreisender Vögel zu hören. Wie der Zug vorüber war, wurde er sich erst seiner Angst bewusst. Er floh zurück nach Zweisimmen und vernahm dort, dass er dem Dürstegjeegg oder der Rochelsau begegnet sei, die jeden Herbst vor Einbruch des Winters da vorbeifahre.

Der Schlangenbanner am schwarzen See

Quelle: Sagen aus dem Simmenthal von D. Gempeler – Schletti

Über der Bäuert Reichenstein liegt die Schwarzenseealp. Sie erhielt diesen Namen von einem kleinen See, der in einer Mulde liegt und dessen Wasser der ihn umgebenden Tannen wegen dunkel, fast schwarz erscheint. An diesem See befand sich vor Zeiten eine grosse, weisse Schlange, die jedes Mal, wenn sie im See ein Bad nahm, ihre Krone am Ufer ablegte und nachher wieder aufsetzte. Diese Schlangenkrone zu bekommen, war vieler Wunsch und Begehr, aber es war noch keinem gelungen. Da kam einmal auch einer daher, der die Schlange bannen konnte. Zur gewohnten Badezeit lauerte er auf sie und nahm ihr die Krone weg. Die erzürnte Schlange schoss auf ihn zu, aber der Zauberer stand bereits innerhalb eines grossen, verzauberten Reifs, so, dass ihm die Schlange nichts tun konnte. Die gebannte Schlange, die ohne Krone nicht leben konnte, ging bald darauf zu Grunde.

 

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