Weisse Reiter tauchen immer wieder in Sagen und Erzählungen auf. Es gibt dazu verschiedene Deutungen. Ob es sich um Tempelritter handel die von der Verfolgung in Südfrankeich um 1307 flohen wissen wir nicht genau, historisch liess sich das bisher nicht belegen. Was hingegen bekannt ist, dass es gute Verbindungen von Südfrankreich über Savoyen und die Piemonteseralpen in den Alpenraum gab. Die ihrem Gedankengut und Glauben verpflichteten Ritter zogen sich als Verfolge in diese Gebiete zurück. Sie verfügten über ein grosses, vielfältiges Wissen wie z.B. Baukunst und Handel.
Die fahrenden Schüler tauchen vielerorts auf, bis weit nach Thüringen in Deutschland. Sie werden auch oft Venezier genannt. Im Mittelalter war Venedig eine blühende Handelsstadt, die einen grossen Bedarf an Rohstoffen hatte und zum Teil in grossen Manufakturen Waffen, Glas und Schiffe herstellte. Die Dogen von Venedig sandten sehr gut geschulte Kundschafter aus um z.B. nach Eisenerz und Mineralstoffen zu suchen. Man meinte, dass diese „Gelehrten" mehr als Brotessen konnten. (J.P. Beuret)

Quellen: Josif R.,Grigulevic: Ketzer, Hexen, Inquisitoren, Ahriman- Verlag GmbH, Januar 2000

Es war in grauer Vorzeit, da wollte ein mutiger Reiter vom Bernerland hinüber ins Wallis reisen. Öde und wüst lag das Alpengebirge und noch keines Menschen Fuss war in das hochgelegene Alpental hineingedrungen. So wenig war das Felsental begangen und bekannt, dass es nicht einmal einen eigenen Namen hatte. Der Reiter aber auf weissem Rosse wollte es gleichwohl wagen. Immer weiter drang er in die Schlucht; angeschwemmter Sand, Kies und Geröll der Lütschine hemmten immer mehr den Schritt. Endlich war ein Fortkommen unmöglich, von allen Felsen strömten die Bäche, knietief watete das Pferd im schlammigen Sande, Umkehr war geboten. Wie der Reiter wieder zu den Seinen kam, da ging ein Fragen unter den Leuten, was ihm begegnet sei. „Ich musste umkehren, denn lauter Sand und lauter Brunnen hinderten meinen Weg." Von jener Zeit ist der Name dem Tale geblieben: Lauterbrunnen.

Einst kam einer der fahrenden Schüler, die in den Bergen nach Kristallen und nach Goldadern suchten und sich auf geheime Künste verstanden, ins Tiefental. Im Heidenhaus klopfte er an und bat um ein Nachtlager. Der Bauer gab Bescheid, seine Frau erwarte noch diese Nacht ein Kind und er könne keinen Fremden aufnehmen. Der Fahrende drängte aber und bat den Bauer bei dem bösen Wetter unterstehen zu dürfen. Da willigte der Bauer ein.
In der Nacht kam die Frau des Bauern nieder. Bei jeder Wehe rief der Scholar: „Noch nicht! Jetzt noch nicht!" Einmal sagte er dann: „Aber jetzt!" Der Bauer stellte den Fremden deshalb zur Rede. Der wollte mit der Antwort nicht herausrücken. „Hättet ihr mich nur nicht danach gefragt. Jetzt sollt ihr es eben wissen. Wenn ich der Geburt nicht entgegengehalten hätte, wäre das Kind später zum Selbstmörder geworden." „Und jetzt also nicht?" fragte der Bauer. „Jetzt wird ihn ein anderer töten, wenn er neunzehn Jahre alt ist."
Dafür wollte der Bauer einen Beweis. „Den will ich schon geben", meinte der Fahrende. „Übermorgen wird sich ein Füllen am Anbindestrick erhängen." Der Fahrende bedankte sich für Speis und Trank und ging davon. Am übernächsten Tag fand der Bauer dann wirklich das Füllen erhängt im Stall. Da wurde er nachdenklich und sein Herz wurde schwer.
Als das Kind zum Burschen herangewachsen war und der von dem Fremden vorausgesagte Tag näherrückte, sperrte ihn der Bauer in eine kleine Kammer im Dachstock ein. Hier wird keiner an ihn herankommen, dachte er. In den späten Abendstunden trieb die Tiefentaler Jungmannschaft sich um das Haus herum. Ihr wildes Spiel artete bald in böse Händel aus. Da gewahrte der Bursche von seiner Kammer aus, wie sein bester Freund von einem wilden Burschen hart angegriffen wurde. Da wollte er sich nicht zurückhalten und sprang in den Hof hinab. Er erhielt einen Messerstich in den Bauch und sank tot zusammen.

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