Ein Mann von Oberwil wollte nach Saanen, wo selbst ein berühmter Doktor war, um diesen in einer gewissen Angelegenheit zu konsultieren. Hans Stucki, so hiess der Mann, kehrte in Zweisimmen im „Bären" ein und versäumte sich daselbst so lange, dass er erst spät nachts die Reise fortsetzen konnte. Es mochte gegen Mitternacht gewesen sein, als Stucki in der raben schwarzen Herbstnacht dem Steiniwald zustampfte. Da, auf einmal vernahm er ein abscheuliches Tosen und Geschrei in den Lüften. Als der Lärm noch entfernt war, glaubte er eine Schar johlende und brüllende Betrunkene zu hören und nahm sich vor, denen nicht zu begegnen, sondern sich im Gesträuch zu verstecken. Je näher aber das Wüten und Tosen kam, desto mehr überzeugte er sich, dass der schreckliche Lärm in den Lüften und nicht auf der Strasse zu suchen war. Es schien ihm, sehen konnte er ja nichts, als würden sich die Tannenwipfel vor dem Windzuge und in den Stimmen in der Luft biegen, die er des sausenden, brausenden Windes wegen nur ungenau unterscheiden konnte, er glaubte das Geröchel von jungen und alten Schweinen und das Krächzen wilder, kreisender Vögel zu hören. Wie der Zug vorüber war, wurde er sich erst seiner Angst bewusst. Er floh zurück nach Zweisimmen und vernahm dort, dass er dem Dürstegjeegg oder der Rochelsau begegnet sei, die jeden Herbst vor Einbruch des Winters da vorbeifahre.

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